Schiffsbrand „MS Pallas“ - Die Havarie eines Holzfrachters in der Nordsee
Bericht
Am 25. Oktober 1998 geriet der unter der Flagge der Bahamas fahrende Holzfrachter „Pallas“ auf seinem Weg von Schweden nach Marokko vor der dänischen Küste in Brand. Wenige Tage später strandet das Schiff vor der Insel Amrum. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrscht starker Wind aus westlicher Richtung, die Wellenhöhe beträgt drei bis vier Meter. Um 15:40 Uhr erhält das dänische Seenotrettungszentrum (MRCC Denmark) über Funk die Nachricht, dass die MS „Pallas“ durch Ladungsbrand in Seenot geraten ist. Mit bordeigenen Mitteln kann die Besatzung den Brand nicht unter Kontrolle bringen. Zur Nutzung als Schiffsbetriebsstoff befinden sich in den Bodentanks des Schiffes noch etwa 142 Tonnen Dieselöl und 580 Tonnen Schweröl.
Das Seenotrettungszentrum alarmiert den dänischen Seenotrettungskreuzer „Nordsoen“ sowie den dänischen Lotsendienst. Dem Lotsendienst stehen keine Schiffe zur Verfügung und so kann der Havarist nicht in den dänischen Hafen Esbjerg einfahren. Die Dänen informieren das deutsche Seenotrettungszentrum (MRCC Bremen), das den Seenotkreuzer „Minden“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in das Unglücksgebiet entsendet.
Als erstes werden durch die dänischen und deutschen Seenotrettungsdienste am Montagmorgen, den 26.10.1998, bis 04:00 Uhr bei Windstärke 6 und 3 bis 4 Meter hohen Wellen 16 Seeleute gerettet, davon ist einer schwer verletzt. Ein Besatzungsmitglied kommt ums Leben. Das schiff treibt mit laufender Maschine und brennend auf die Westküste Schleswig-Holsteins zu.
Ein Lagebericht des MRCC Denmark geht an den Zentralen Meldekopf (ZMK) Cuxhaven. Des Weiteren werden die Sonderstelle des Bundes zur Bekämpfung von Meeresverschmutzungen (SBM) und die Sonderstelle der Küstenländer zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung (SLM) durch den ZMK informiert.
Durch das ZMK werden die bundeseigenen Mehrzweckschiffe „Mellum“ und „Neuwerk“ in das Einsatzgebiet beordert. Zusammen mit dem Fischereiaufsichtsboot „Meerkatze“ erreichen sie im Laufe des frühen Nachmittags das Einsatzgebiet. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die „Pallas“ etwa 18 Seemeilen vor List auf Sylt in deutschen Gewässern. Somit ist für die Dänen der Einsatz beendet.
Die angekommenen Schiffe beginnen mit der Brandbekämpfung an Deck und der Kühlung der Außenhaut. Bei Orkanböen und schwerem Sturm wurde in den folgenden Tagen versucht, das havarierte Schiff in tiefes Wasser unter Landschutz von Helgoland zu schleppen. Kein Versuch führte jedoch zum endgültigen Erfolg, so dass die „Pallas“ in den frühen Morgenstunden des 29. Oktober im nordfriesischen Wattenmeer ca. 6 Meilen südwestlich der Insel Amrum auf Grund läuft. Aufgrund der zu geringen Wassertiefen, des stürmischen Wetters und der Gezeiten scheitern alle weiteren Schleppversuche. Die Einsatzleitgruppe (ELG) zur Bekämpfung von Meeresverschmutzungen wird über den Sachstand informiert und Alarmbereitschaft versetzt, denn es besteht die Gefahr einer Ölverschmutzung.
Die ELG akzeptiert in den nächsten Tagen die Abschleppversuche des Reeders als geeignete Maßnahmen, stellt aber die Entsorgung des Schwer- und Dieselöls in den Vordergrund. Alle weiteren Maßnahmen zum Freischleppen scheitern jedoch. Da der Reeder ein neues gefordertes Konzept, das Brandbekämpfungs- und Ölentsorgungsmaßnahmen vor Ort vorsieht, nicht erfüllen kann, obliegen alle Entscheidungen über das weitere Vorgehen alleine bei der ELG. Die Kriterien der Feststellung des ELG-Falles werden erläutert.
Am 09. November erteilt die ELG der Firma Wijsmuller aus Holland den Auftrag zur Brandbekämpfung und am 11. November dem Konsortium Wijsmuller Salvage BV (NL) / Titan Maritime Industries Inc. (USA) den Auftrag zur Entsorgung des Wracks mit Hilfe einer dafür erforderlichen Hubplattform.
Am 09. November 1998 bietet die Berufsfeuerwehr Kiel dem ZMK Cuxhaven die Entsendung des Ölbekämpfungs- und Feierlöschschiffes „Kiel“ in das Schadengebiet an. Einen Tag später erhält die „Kiel“ den Einsatzbefehl und nimmt Kurs auf die Nordsee. Nach einer ersten Lageerkundung an Bord des havarierten Schiffes wurden in Absprache mit den Mitarbeitern der beauftragten Bergungsfirma Maßnahmen zur Kühlung der Außenhaut, Erstellen von Öffnungen in den Ladelukendeckeln mit Brennschneidgeräten und die Bekämpfung der Brände in den Laderäumen festgelegt und durchgeführt. Beschrieben werden die Schwierigkeiten bei der Durchführung dieser Arbeiten, wobei vor allem auf die Probleme bei der Brandbekämpfung eingegangen wird.
Nach der Sichtung von ausgelaufenem Öl wird von der „Kiel“ ein Ölbekämpfungsgeschirr ausgebracht. An einem Auslegearm ist eine Ölsperre befestigt. Mit Hilfe eines hydraulischen Skimmers wird das Öl-Wasser-Gemisch abgesaugt und in der bordeigenen Separationsanlage getrennt.
Bild 1: Verlauf der Odyssee des Holzfrachters „Pallas“:
A - Auf dem Holzfrachter „Pallas“ bricht ein Brand aus.
B - Es gelingt den anwesenden Hilfsschiffen zeitweise, das führerlos treibende Schiff an die Schleppleine zu nehmen
C - Nachdem die Verbindung reißt, strandet die „Pallas“ in der Nähe der Nordseeinsel Amrum. Grafik: Irene Kölbl, Berlin
Bild 2: Durch die von einem Mitarbeiter der holländischen Bergungsfirma in die Laderäume 5 und 6 geschnittenen Öffnungen wird gezielt mit einem Feuerlöschmonitor der „Kiel“ Wasser eingebracht. Foto: Thomas Maier, Ketsch
Bild 3: Der Brand auf der „Pallas“ ist bereits weitgehend unter Kontrolle. Die Bildung von Wasserdampf hat merklich nachgelassen. Ungefähr in Bildmitte sind in gelben Anzügen Mitarbeiter der holländischen Bergungsfirma zu erkennen. Foto: Margret Kiosz, Nebel
Bild 4:
Die Löscharbeiten sind beendet. Im Laufe der Zeit versinkt die “Pallas” immer weiter im Watt. Teile des Decks werden bereits vom Meer überspült. Noch liegt die Hubinsel “Barbara” neben dem Havaristen. Foto: Margret Kiosz, Nebel



