Chemieeinsatz am Güterbahnhof in Gremberg
Bericht
Um 09.12 Uhr wurde die Feuerwehr Köln zu einem Chemieeinsatz am Güterbahnhof Gremberg gerufen. Ein Mitarbeiter der DB AG hatte unter einem mit Gefahrgut beladenen Kesselwagen weißen Rauch entdeckt.
Die Feuerwehr Köln rückte nach dem Einsatzstichwort Chemie aus. Die ersten eintreffenden Einsatzkräfte stellten fest, dass aus einem mit 70-prozentiger Wasserstoffperoxidlösung gefüllten Kesselwagen Produkt austrat und in Erdreich versickerte.
Der Kesselwagen hatte ein Gesamtgewicht von 80.000 kg und war mit 59.000 kg Wasserstoffperoxid beladen und befand sich inmitten weiterer Güterwaggons. Er stand bereits seit einem Tag auf dem Gleis im Güterbahnhof.
Wasserstoffperoxid ist ein starker Sauerstoffträger, mit Wasser mischbar und zerfällt unter Abgabe von Energie (exotherme Reaktion). Die 70-prozentige Lösung reagiert sehr stark mit organischen Stoffen. Aus diesem Grund hatten sich die Holzschweller unterhalb des Kesselwagen bereits entzündet und brannten beim Eintreffen der Feuerwehr mit einer ca. 30 cm hohen Flamme. Um eine weitere Brandausbreitung auf den gesamten Kesselwagen und damit eine weitere Erwärmung des Produktes zu verhindern, wurde das Feuer sehr schnell mit Pulver gelöscht, später wurde dann der betroffene Bereich mit Wasser eingesetzt, um eine weitere Entzündung zu verhindern.
Das auslaufende Produkt wurde von einem Trupp unter Vollschutz in PE-Fässern aufgenommen, später mussten ca. 80 Liter des Produktes fachgerecht entsorgt werden.
Der Produktaustritt war jedoch zunächst nicht zu stoppen. Aus einem Stutzen neben dem Domdeckel trat das Produkt weiter aus, eine Abdichtung war nicht möglich. Unklar war, warum der Druck in dem Kesselwagen so stark angestiegen war, dass es zu diesem Produktaustritt kommen konnte. Um den Druck in dem Kesselwagen zu reduzieren, wurde zunächst der Kessel durch die Vornahme eines C-Strahlrohres, später durch die Vornahme zweier Wasserwerfer gekühlt. Durch die Kühlung des Kesselwagens konnte die Temperatur im Kesselwagen von anfänglich 21,4 Grad auf unter 12 Grad gesenkt werden. Gleichzeitig reduzierte sich der Druck im Kesselwagen erheblich, so dass nach ca. 45 Minuten Kühlung die Austrittsrate um die Hälfte reduziert werden konnte. Zu einem späteren Zeitpunkt gelang es dann noch, einen defekten Kugelhahn so zu schließen, dass kein Produkt mehr austreten konnte.
In Abstimmung mit Vertretern von TUIS und dem Produktionsleiter der versendenden Firma wurde die Kühlmaßnahme noch mehrere Stunden lang weitergeführt, um eine weitere Reaktion der Wasserstoffperoxidlösung zu verhindern.
Durch die Herstellerfirma wurde eine dreiköpfige Gruppe von Chemikern/Technikern zur Einsatzstelle entsandt. Diese Gruppe öffnete zur Druckentlastung den Domdeckel und mischte anschießend dem Wasserstoffperoxid zur besseren Stabilität der Lösung einen Stabilisator zu.
Im Anschluss wurde die Einsatzstelle durch die Kräfte der Feuerwehr mit viel Wasser gespült. Zur Sicherstellung der Wasserversorgung musste das Wasser aus einem ca. 1,5 km entfernten Hydranten entnommen werden.
Insgesamt waren 47 Einsatzkräfte an der Einsatzstelle im Einsatz, davon 37 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehrwachen Porz, Ostheim, Lindenthal, Mülheim und Weidenpesch sowie 10 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Porz-Urbach.
Der Einsatz konnte gegen 15.00 Uhr abgeschlossen werden, der Kesselwagen wurde der DB AG zum weiteren Transport übergeben.



