Absturz beim Fliegerfest 04.10.2009
Bericht
Die Freiwilligen Feuerwehren (FF) Forstinning, Forstern und Pastetten aus dem Landkreis Erding in Oberbayern wurden Anfang Oktober des Jahres 2009 zu einer nicht alltäglichen Technischen Hilfeleistung (THL) mit Menschenrettung alarmiert. Während des Fliegerfestes stürzte auf dem Flugplatz Straßham in der Gemeinde Forstern etwa 500 Meter östlich der Landebahn neben einem Maisfeld ein Ultraleichtflugzeug beim Anflug in Sichtweite des Landeplatzes aus wenigen Metern Höhe ab. Das Flugzeug vom Typ FK9 MK3 hatte noch reichlich Treibstoff im 50 I fassenden Tank hinter den beiden Insassen. Es ging jedoch nicht in Flammen auf.
Tragischer Zwischenfall beim Fliegerfest in Straßham (Kreis Erding). Ein Ultraleichtflugzeug mit zwei Insassen an Bord stürzte ab. Foto: Georg Barth
Der Alarm ging bei der FF Forstinning (LK Ebersberg) ein, der geografisch dem Flugplatz am nächsten gelegenen Wehr. Deren Kommandant hatte ein ungutes Gefühl, denn während des Fliegerfestes sollte eine uralte russische Antonow zu Rundflügen starten. Sein erster Gedanke war, dass dieses Flugzeug verunglückt sein könnte. Auch war es nicht der erste Flugplatzeinsatz, zu dem die Kameraden gerufen wurden. Gleichzeitig wurde die FF Forstern alarmiert, in deren Bereich der Flugplatz im Nachbarkreis liegt.
Etwa zehn Minuten nach der Alarmierung, gegen 15:30 Uhr, waren die Kameraden aus Forstern mit dem MZF als erste alarmierte Löschkräfte vor Ort, weil sie die kürzeste Anfahrt zum Einsatzort hatten. Aufgeregte Augenzeugen des Unfalls zeigten in Richtung der Absturzstelle. Die erste Erkundung ergab, dass die zwei Personen im demolierten Cockpit noch ansprechbar, jedoch schwer verletzt waren. Nach dem Absturz stand die Maschine in der ganz „normalen“ Lage auf dem Fahrgestell. Aus dem Tank hinter dem Cockpit lief Superbenzin aus. Der Flieger war beim Absturz senkrecht mit dem Motor voran in das Feld gekracht, das Heck hatte sich gesenkt, und er stand danach auf den Rädern. Der Bug war völlig zerstört und ein Wirrwarr von verbogenen Streben, Rohren und zersplitterten Verkleidungsteilen. Der Motorblock hatte sich in den Fußraum der Kanzel geschoben und die Insassen eingeklemmt.
Nach kurzer Zeit trafen auch die Kameraden der FF Forstern und der Rettungsdienst mit dem Notarzt am Einsatzort ein. Das medizinische Personal kümmerte sich um die Schwerverletzten, währenddessen die Kameraden den hydraulischen Rettungssatz aufbauten. Dazu wurde vom Rettungssatz die LUKAS LS 301 EN Schere und das LUKAS Hydroaggregat seitlich vom Flugzeug in Stellung gebracht sowie der Greifzug vorbereitet. Das schwere TLF 16/12 der FF Forstinning wurde als Anschlagpunkt für den Greifzug vor den Flieger gefahren. Die FF Pastetten stellte den Brandschutz vom LF 10/6 über die Schnellangriffseinrichtung mit einem Schaumrohr sicher. Die Einsatzkräfte der FF Forstern bauten parallel auf der anderen Seite des Fliegers ebenfalls den Angriff mit Schere und Spreizer auf, um gegebenenfalls von beiden Seiten arbeiten zu können.
Neben zahlreichen Kräften von Polizei und BRK-Rettungsdienst rückten die Feuerwehren Pastetten, Forstern, Reithofen-Harthofen sowie Forstinning aus. Foto: Vroni Macht
Als ein Problem stellte sich der beengte Platz an dem kleinen Flieger heraus. Stand der Helfer vom Rettungsdienst oder der Notarzt bei den Verletzten, hatten die Feuerwehrleute keine Arbeitsmöglichkeiten. Mit dem Notarzt musste abgestimmt werden, wie die beiden Verletzten schnell und trotzdem möglichst schonend aus dem demolierten Cockpit befreit werden konnten. Um an die Verletzten heranzukommen, mussten der Motorblock und das Armaturenbrett von ihren Verbindungen mit Rahmen getrennt werden. Damit der gelöste Block nicht in das Flugzeug fiel und den Fußraum noch weiter verengte, wurde er mit dem Seilzug abgefangen. Die ca. 20 mm starken Stahlrohre der Motoraufhängung waren durch den gewaltigen Aufprall bereits sichtlich geschwächt worden. Nach wenigen problemlosen Schnitten mit der Rettungsschere und einem leichten Zug mit dem Greifzug knickte der Motor samt Armaturenbrett nach vorn weg. Der Fußraum der beiden Verletzten wurde frei. Mehrere Kameraden hielten das Heck des Ultraleichflugzeuges fest, damit es nicht nach vor überkippte bzw. dem Zug des Greifzuges folgend, wegrollte. Beim Festlegen der Schnittstellen konnten sich die Kameraden nicht auf ihre Erfahrungen an Pkw und Lkw verlassen, weil die Situation am Flugzeug ganz anders war. Um die Ursache des Flugzeugabsturzes und die Spurensicherung nicht zu erschweren, wurden weitere Veränderungen am Ultraleichtflieger nicht vorgenommen.
Nur noch die Sitze, die Tragflächen und das Leitwerk waren zu erkennen. Die gesamte Front wurde bis zur Unkenntlichkeit deformiert. Foto: Georg Barth
Während der Befreiungsaktion mussten die Veränderungen an der Flugzeugkonstruktion mit Vorsicht erfolgen, weil der Ultraleichtflieger mit einem Rettungsfallschirm ausgerüstet war, der im Notfall über eine Treibladung (ähnlich wie beim Airbag) auslöst. Der Fallschirm und die Treibladung befinden sich über dem Tank und den Köpfen der beiden Insassen. Nach dem Absturz war reichlich Kraftstoff ausgeflossen, deshalb bestand permanent auch Entzündungsgefahr. Bei den fast sommerlich hohen Außentemperaturen wurde dieser durch den trockene Ackerboden oberflächlich sofort aufgesaugt. Im Fall einer Entzündung wäre die Treibladung sehr wahrscheinlich ebenfalls ausgelöst worden und hätte sowohl den beiden Schwerverletzten als auch den Rettungskräften gefährlich werden können.
Auf der Suche nach der Absturzursache hätte ein vorsorglich um den Flieger gelegter Schaumteppich die Untersuchungen der Spezialisten und Sachverständigen nach der Suche der Absturzursache erschweren können. Deshalb wurde von dieser Maßnahme abgesehen. Die Lage der hunderte von Flugzeugtrümmerstücken rings um die Absturzstelle wurde von den Untersuchenden dokumentiert.
Etwa 30 Minuten nach Beginn der Rettungsmaßnahmen gegen 16:00 Uhr waren die beiden Schwerverletzten befreit. Der Rettungsdienst übernahm die weitere Versorgung und Stabilisierung der Patienten, die nach ca. 20 Minuten transportfähig waren. Vier Hubschrauber - ADAC-Luftrettung, Rettungsflugwacht, Polizei und Luftfahrt Bundesamt landeten im Laufe des Einsatzes auf dem Flugplatz. Die beiden Rettungshubschrauber (RTH) brachten die beiden Schwerverletzten in Münchner Krankenhäuser. In der Nacht zum 05. Oktober 2010 verstarb der 39-jährige Pilot im Krankenhaus.
Für die FF Pastetten war der Einsatz nach rund zwei Stunden, für die FF Forstinning nach zweieinhalb Stunden beendet. Die FF Forstern blieb noch bis um 22:30 Uhr an der Absturzstelle im Einsatz, um diese auszuleuchten. Für die Gutachter war diese Maßnahme erforderlich. Zuerst wurde das Wrack untersucht und dann mit Hilfe der Kameraden komplett auseinander genommen und auf einen Tieflader verladen.
Die FF Forstern war mit sehr vielen jungen Einsatzkräften vor Ort, die so einen schweren Unfall noch nie erlebt hatten. Alle leisteten sehr gute Arbeit. Als Dankeschön lud der Fliegerklub Erdingen, dem das verunglückte Ultraleichtflugzeug gehörte, die am Rettungseinsatz beteiligten Kameraden der drei FF Forstern, Forstinning und Pastetten zu einem kostenlosen Rundflug und einer kleinen Feier ein.



