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ICE-Unglück Eschede

Am 03.06.1998 gegen 10:59 Uhr kollidiert in der Nähe der niedersächsischen Stadt Eschede, Landkreis Celle, der InterCityExpress (ICE) 884 auf der Fahrt von München nach Hamburg mit einer Brücke. Dabei kamen 101 Menschen ums Leben, 108 Personen wurden verletzt, 70 davon schwer. Das Zugunglück von Eschede war das bis dahin schwerste in der Nachkriegsgeschichte der Bunesrepublik Deutschland.
03.06.1998 10:59
Eschede
Deutschland / Niedersachsen
Ereignis: Technische Hilfeleistungen
Bereich: Verkehr
Objekt: Verkehrsmittel
Stichworte: Eisenbahn, Massenanfall von Verletzten
Autor: Loni Franke
Quelle: 112 Magazin der Feuerwehr 23(1998)9, S. 518-522 und 524-527

 

Bericht

Der aus zwölf Reisezugwagen und sowie zwei Triebköpfen bestehende ICE 884 – Wilhelm Conrad Röntgen – kollidierte gegen 10:59 Uhr mit einer Straßenbrücke. Bedingt durch die Wucht des Aufpralls entgleisten 3 ICE-Wagen und kamen etwa 350m hinter der Brücke leicht beschädigt zum Stehen. Der  vierte Reisezugwagen rutschte quer zum Gleisbett, überschlug sich und blieb im angrenzenden Gebüsch stark demoliert liegen. Waggon Nr. 5 wurde im hinteren Bereich von herabstürzenden Brückenteilen fast vollständig zerstört, rutschte jedoch noch etwa 100m weiter. Waggon Nr. 6 wurde unter der zusammenbrechenden Straßenbrücke begraben und die Waggons Nr. 7 bis 14 sowie der hintere Triebkopf schoben sich „zollstockartig“ ineinander und waren verkeilt. Das ICE-Unglück in Eschede erforderte umfangreiche technische Rettungsmaßnahmen zur Befreiung teils schwer eingeklemmter Reisender.

Einsatzkräfte und -mittel der Feuerwehr:

Dienststellen:

  • FF aus 17 Gemeinden des Landkreises Celle und aus Nachbarlandkreisen
  • BF Braunschweig, Hamburg, Hannover und Hildesheim
  • Truppenübungsplatzfeuerwehr Munster
  • Bahnfeuerwehr Hannover
  • Werkfeuerwehr Firma Rheinmetall
  • OBM-Lehrgang der Landesfeuerwehrschule Celle mit 31 Rettungsassistenten
  • Landesfeuerwehrschule (LFS) Celle

 

Besondere Einsatzmittel:

  • Feuerwehrkran 40 Tonnen
  • zahlreiche Rüstwagen RW 2
  • Tunnelrettungszug der DB AG
  • Einsatzleitwagen ELW 2 (BF Hannover und LFS Celle)

Insgesamt wurden in der Phase I 726 Feuerwehrkräfte mit 108 Fahrzeugen eingesetzt.

 

Einsatzauftrag für die Feuerwehr:

Aufgaben:

Koordination, Führung des Einsatzes (Einsatzleitung), Rettung von Verletzten und Bergung von Leichen, Zerlegung der Brückenteile, Entfernung der Zug- und Brückentrümmer, Brandsicherheitswache, Ausleuchtung der Schadenstelle, Einweiser und Lotsendienste

 

Einsatzauftrag in Phase I (03.06.1999, 10:59 Uhr bis 15:00 Uhr:

  • Einsatzführung (Einsatzleitung, Einsatzabschnittsleitung)
  • Personenrettung
  • Personenbergung
  • Brandwache

 

Einsatzauftrag in Phase II-V (03.06.1999, 15:00 Uhr bis 06.006.1999, 06:42 Uhr):

  • Einsatzführung (Technische Einsatzleitung, Einsatzabschnittsleitung Brücke)
  • Personenrettung
  • Leichenbergung
  • Ausleuchten der Schadenstelle
  • Brandwache
  • Technische Hilfeleistung bei sonstigen Bergungsarbeiten

 

Einsatzerfahrungen/ Erkenntnisse:

Die Durchführung von medizinischer und technischer Rettung forderte in einem bisher nicht gekannten Maße die Improvisation der mit der Schadenabwehr betrauten Einsatzkräfte. Der Einsatzerfolg konnte nur durch ein massives Aufgebot an äußerst motivierten Helfern sowie umfangreichen, auch schweren technischen Rettungsgeräten erreicht werden. Die Nachbereitung dieses komplexen Einsatzes ergibt in taktischer sowie technischer Hinsicht Maßnahmen, die einer Umsetzung bedürfen: 

  • sinn- und auffällige Kennzeichnung der Führungskräfte, die auch annehmbar sein muss
  • überregionaler Nachweis von Krankenhausbetten mit Information über die Art der Bettenkapazität in den einzelnen Häusern
  • planerische Festlegung von Funk-/Kommunikationsverbindungen
  • bundeseinheitliche Funkkennung von Einsatzfahrzeugen des Rettungsdienstes und der Feuerwehr in Niedersachsen einführen
  • organisierte Strukturen in der Notfallseelsorge schaffen
  • planerische Vorgaben zur Ordnung von Einsatzstellen im Hinblick auf eine wirkungsvolle Katastrophenabwehr unter Anpassung bzw. Novellierung FwDV 12/1 – Einsatzleitung
  • Schaffung einer Stabsfunktion S5 – Presse und Öffentlichkeitsarbeit – und deren Aufgabenbeschreibung
  • Wirkungsvolle Einbindung des Notfallmanagementsystems der Deutschen Bahn AG in die hoheitliche Gefahrenabwehrorganisation der einzelnen Bundesländer

 

Eine technische Umsetzung ist erforderlich:

  • Ausstattung der Feuerwehren mit Geräten zur Abwehr bahnspezifischer Gefahren
  • Multiplizität der Ausstattung mit Schneid- und Spreizgeräten bei den Feuerwehren
  • Einheitlich gestaltetes Registriersystem beim Massenanfall von Verletzten (MANV)
  • Schaffung von ausreichenden, abhörsicheren und funktionsfähigen Fernmeldeverbindungen (z. B. Vorrangschaltung von tragbaren Telekommunikationsausstattungen für den BOS-Bereich)
  • Einheitliche, möglichst in Niedersachsen landesweite Ausstattung der Landkreise/kreisfreien Städte mit Einsatzleitwagen 2 (ELW 2) zur Bildung einer mobilen Technischen Einsatzleitung; regionale Schaffung von „mobilen Führungszentren“ pro Regierungsbezirk, die eine stabsmäßige Führung vor Ort, auch über einen längeren Zeitraum, zulassen.

 

Ausführliche Informationen zum Unglück, dem gesamten Einsatz aller beteiligten Organisationen sowie zur technischen Rettung durch die Feuerwehr und andere Hilfskräfte finden Sie in den Anlagen zum Download.


Bild 1:    Die Helfer mussten sich durch einen Trümmerberg arbeiten


Bild 2:    Ununterbrochen suchten die Helfer in den Trümmern nach Verletzten. Die physischen und psychischen Belastungen waren erheblich.

Fotos: BF Hannover, DPA, Lars Schwieger, THW




Referenzen:

weitere Dokumente:

erstellt von slienert am - 25.01.2007 12:32