Flugschau endet tragisch
Bericht
Für bis 3.500 Zuschauer sollte die alljährliche Flugschau auf dem Segelflugplatz Lauf-Lillinghof in der Nähe von Schnaittach-Lillinghof in Bayern ein Fest werden. Die Sportveranstaltung gilt als Highlight in der Flugszene. Aber schon der Start der ersten Flugformation beendete den Flugtag. Die drei Doppeldecker starteten hintereinander. Kurz nach dem Start gerät die letzte Maschine ins Trudeln und stürzt vor einer Zuschauertribüne ab, die vor dem Tower aufgebaut war.

Lagezeichnung des Unglücksortes.
Für die Zuschauer, die sich in dem abgesperrten Bereich aufhielten, kam das Unglück völlig überraschend. Dort aufgestellte Tische und Bänke und Trümmerteile der Maschine flogen durch die Luft. Eine 46 Jahre alte Frau aus dem Ort Lauf starb noch am Unglücksort. 38 Menschen wurden bei dem Unglück verletzt, fünf davon schwer. Ein Opfer schwebte am Montagmorgen noch in Lebensgefahr. Der Pilot der Unglücksmaschine blieb unversehrt. Bei dem vom Segelclub Lauf veranstalteten Flugtag sollte der Start der Doppeldecker, wobei es sich um Original-Oldtimer vom Typ Tiger Moth DH 82 A handelte, die Hauptattraktion werden. Der Tiger Moth ist ein so genanntes Schulflugzeug, das vor dem Zweiten Weltkrieg in Großbritannien gebaut wurde. Die Maschine kam 20 Meter vor dem Kontrollturm zum Stehen und kippte dort auf die Nase.

Die Unglücksmaschine stürzt auf eine voll besetzte Zuschauertribüne.
Das Unglück löste einen Großeinsatz von Feuerwehr, THW, Notärzten und Sanitätern aus. Bereits Sekunden nach dem Unglück setzte der Tower einen Notruf mit dem Stichwort „Flugzeugabsturz, Massenanfall von Verletzten (MANV)“ ab. Ein Rettungsdienstfahrzeug, das zur Sanitätsabstellung vor Ort war, gab ebenfalls die Erstmeldung „Flugzeug in Menschenmenge gerast, etliche Verletzte“ durch.
Für die Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst, die sich zur Absicherung der Großveranstaltung auf dem Flugplatz befinden, ergibt sich zunächst eine unübersichtliche Lage.
Durch die Feuerwehrleitstelle Nürnberg erfolgte die Alarmierung von weiteren Feuerwehren aus dem Ballungsraum. Die Rettungsleitstelle Nürnberg beorderte weiterer RTW, KTW, NEF und RTH von BRK, ASB und JUH. Da es sich um das Alarmstichwort „MANV“ handelte wurden Feuerwehr- und Rettungseinheiten aus den Landkreisen Nürnberger Land, Forchheim und Erlangen-Höchstadt in Marsch gesetzt.
Die Erstversorgung der teilweise schwer verletzten Personen erfolgte durch die anwesenden Einsatzkräfte und Ärzten, die sich unter den Zuschauern befanden.
Nach der Absicherung der Unfallstelle und Herstellung des Brandschutzes um die Unglückstelle wurde die Benzinzufuhr am Flugzeug abgestellt. Danach unterstützte ein Teil der Feuerwehrkräfte das Rettungsdienstpersonal vor Ort.
Nach und nach trafen die alarmierten Kräfte und Mittel von Feuerwehr und Rettungsdienst an der Einsatzstelle ein. Die Kameraden der FF Schnaittach, unterstützt durch Kräfte der FF Freiröttenbach, bauten eine Verletztensammelstelle auf. Ebenso wurde durch die Einsatzkräfte ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet. Aufgrund des Alarmstichwortes „MANV“ flogen die Rettungshubschrauber (RTH) aus Nürnberg, Bayreuth und Ingolstadt, der Intensivtransporthubschrauber (ITH) aus Nürnberg, der SAR-Hubschrauber aus Landsberg am Lech und der Polizeihubschraubers „Edelweiß“ den Segelflugplatz Lauf-Lillinghof an. Sie transportierten die Schwerletzten in die nächste Klinik. Während mehrere Rettungshubschrauber flogen, kümmerten sich Helfer um Zuschauer mit leichteren Verletzungen. Selbst zwei bis drei Stunden danach liefen noch Menschen mit blutverschmierten Jacken über das windige Flugfeld auf einem Hochplateau zu Füßen der Frankenalb.

Massenanfall von Verletzten (MANV) - Großeinsatz von Feuerwehr, THW, Notärzten und Sanitätern.
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sichteten die Zuschauer auf weitere verletzte Personen und sorgten für ein geordnetes Verlassen des Geländes durch die 3.500 geschockten Festbesucher. Durch die Abfahrt der Besucher und die Anfahrt der Rettungsfahrzeuge kam es auf den engen Zufahrtsstraßen zu Behinderungen. Deshalb wurden durch die Ortsfeuerwehren der umliegenden Gemeinden Verkehrslenkungsmaßnahmen eingerichtet. Auf dem Flugplatz war ausreichend Platz für die An- und Abfahrt und das geordnete Aufstellen der Fahrzeuge.
Insgesamt kamen 75 RTW/KTW und sonstige Sanitätsfahrzeuge zum Einsatz, darunter auch mehrere Schnelleinsatzgruppen mit Spezialfahrzeugen. Zur Absicherung des regulären Rettungsdienstes wurden die verwaisten Rettungswachen von weiteren ehrenamtlichen Kräften besetzt.
Durch die Einsatzleitung wurden mehrere Einsatzabschnitte gebildet. So wurden unter anderem ein Krankenwagen-Halteplatz, eine Verletzten-Sammelstelle, die Registrierung und Sichtung von Patienten, die Notfallseelsorge und ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet. Um das schnelle Durchkommen von RTW und KTW in die Zielkrankenhäuser zu ermöglichen, werden die Fahrzeuge zu Konvois zusammengestellt und von einer Motorradstaffel der JUH Nürnberg begleitet.
Die Lagekarte und das Einsatztagebuch wurden von den Feuerwehrkräften in der UG ÖEL geführt. Die UG-SanEL erfasste die Verletzten, klärte Krankenhausbetten ab, wies nachrückende Kräfte ein, triagierte in enger Zusammenarbeit mit den Notärzten und der SanEL die Verletzten und ordnete diese dann den Fahrzeugen die Zielkliniken zu.
Nachdem alle verletzten Personen mittels RTW und RTH in die Kliniken verbracht waren, konnte gegen 17:00 Uhr die zum Unglückszeitpunkt anwesende Mannschaft der FF Lauf a. d. Pegnitz, die das Unglück live miterleben musste, aus dem Einsatz herausgelöst werden. Sie wurden im Nachhinein von Führungskräften sowie Notfallseelsorgern betreut. Die Ablösung erfolgte durch die wenig später nachrückenden Kräfte der FF Schnaittach.
Um das Geschehen mit den geschockten Besuchern in ersten Gesprächen zu verarbeiten, richteten die Feuerwehrkräfte im Einsatzverlauf eine Halle in geschützter Lage vor Ort ein, wo Gespräche mit den Notfallseelsorgern stattfinden konnten.
In der Kommunikations- und Führungsstelle wurde der weitere Einsatzablauf koordiniert. Nach ihrem Eintreffen an der Einsatzstelle wurden der Landrat und der Sachgebietsleiter vom Landratsamt Nürnberg-Land sowie der Bürgermeister über den Unglücksfall unterrichtet. Alle drei Personen wollten sich vor Ort ein Bild von der Lage machen. Später traf auch der Innenminister Bayerns und Polizeipräsident an der Einsatzstelle ein. Im Zelt der UG-ÖEL wurden mehrere Lagebesprechungen der Abschnittsleiter und Einsatzleiter der verschiedenen Hilfsorganisationen abgehalten.
Weil davon ausgegangen wurde, dass der Einsatz bis zur Bergung der Unglücksmaschine einige Tage dauern würde, wurde ein Führungskommunikationskraftwagen (FüKomKW) des THW vom Ortsverband Lauf angefordert. Im FüKomKW wurde eine Hotline, besetzt mit Notfallseelsorgern, eingerichtet, um Anfragen aus der Bevölkerung zu beantworten.
In den regionalen und überregionalen Medien fand der Flugunfall ein reges Interesse. Frühzeitig richteten die Hilfsorganisationen mit Vertretern der Polizeipressestelle Mittelfranken eine Anlaufstelle für die Medienvertreter ein. In Anwesenheit des Bayerischen Innenministers und dem mittelfränkischen Polizeipräsidenten wurde noch am frühen Abend vor Ort mit allen beteiligten Hilfsorganisationen eine ausführliche Pressekonferenz gegeben. Um 19:30 Uhr wurde eine erneute Pressekonferenz für Funk und Fernsehen im Hangar des Segelflugvereins abgehalten.
Zur Klärung der Unglücksursache entsandte die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig mehrere Experten zum Flugplatz Lauf-Lillinghof. Die Experten der BFU untersuchten einen Tag später den Doppeldecker - fanden aber keine technischen Mängel. Danach wurde die Maschine sichergestellt und abtransportiert.
Der Pilot aus dem hessischen Gelnhausen ist ein erfahrener Kunstflieger. Er selbst wurde nicht verletzt, stand aber unter Schock und konnte bislang noch keine Angaben zu dem Unfall machen. Das Luftamt Nordbayern erklärte, dass sich die Veranstalter an alle Auflagen gehalten hätten.
Fazit des Unglücks: Bei dem Flugunfall wurde eine Zuschauerin getötet. Insgesamt wurden 39 Patienten gesichtet, registriert und soweit erforderlich behandelt. Fünf schwer verletzte Personen und 16 weitere Verletzte wurden in umliegende Krankenhäuser transportiert. In den frühen Abendstunden war der Feuerwehreinsatz beendet. Die letzten Feuerwehrkräfte rückten gegen 20:30 Uhr in ihre Standorte ein. Der Einsatz von Notfallseelsorgern für Feuerwehr- und Rettungsdienstangehörige sowie die Spurensicherung zum Unfallhergang dauerte noch mehrere Tage an.



