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Kopfüber in der Baumkrone

Unverletzt hat eine 15 Jahre alte Flugschülerin den Absturz ihres Segelflugzeuges überstanden. In einem Wald nahe dem niedersächsischen Coppenbrügge war der Segler heruntergekommen. Ein dicker Ast hatte sich durch eine Tragfläche gebohrt und so verhindert, dass das Segelflugzeug auf den Boden stürzte. Drei Stunden hing die junge Frau kopfüber in 15 Metern Höhe fest.
15.10.2008 11:50
Bisperode
Deutschland / Niedersachsen / Kreis Hameln-Pyrmont
Ereignis: Technische Hilfeleistungen
Bereich: Verkehr
Objekt: Verkehrsmittel
Stichworte: Eingeklemmte Personen, Höhenrettung
Autor: Jörg Grabandt
Quelle: Feuerwehr Retten - Löschen - Bergen 58(2008)12, S. 40 - 41, 7 Abb.

 

Bericht

Eine 15-jährige Flugschülerin war mit ihrem Segelschulflugzeug in den Baumwipfeln des Ith-Waldes bei Bisperode (Gemeinde Coppenbrügge) in der Nähe von Hameln (Niedersachsen) hängen geblieben. Ein dicker Ast hatte die Tragfläche durchbohrt und verhinderte, dass das Flugzeug auf den Boden herunterstürzte. Die junge Pilotin blieb unverletzt und hing kopfüber im Sitzgurt der verunglückten Maschine.

Nur acht Minuten nach Meldungseingang hatten die Einsatzkräfte der FF Bisperode den Einsatzort in dem Waldgebiet erreicht. Das Flugzeug war in ca. 15 m Höhe über dem zwischen zwei Bäumen eingeklemmt. Bei Ankunft der Feuerwehr hatte die Pilotin das Kanzeldach ihres Seglers geöffnet und war ansprechbar.

Kopfüber in der Baumkrone 

Höhenretter befreien die junge Pilotin aus dem abgestürzten Segelflugzeug.

Um die Drehleiter sicher aufstellen zu können, wurden durch den Einsatzleiter mehrere Ladungen Schotter angefordert und aufgeschüttet. Vom Lufttransportge­schwader 63 aus Diepholz wurde der RTH SAR-31, der mit einer Personenwinde ausgestattet ist, angefordert. Weiterhin wurde die Höhenrettungsgruppe aus Oldendorf alarmiert.

Als erstes traf der Rettungshubschrauber ein. Die ungünstigen Aufwinde am Mittelgebirgszug des Ith verhinderten, dass die Maschine ruhig in der Luft gehalten werden konnte, um eine ge­fahrlose Rettung mit der Winde zu ermöglichen. Nach dem Eintreffen der Oldendorfer Höhenretter wurde sofort mit der Sicherung der Pilotin begonnen. Des weiteren wurde auch der Sprungretter der FF Hameln unter der Pilotin in Stellung ge­bracht.

Kopfüber in der Baumkrone

Zur Vorsicht ist der Sprungretter der FF Hameln unter dem Segelflieger aufgestellt worden. Nach dem Ablassen wird die glückliche Pilotin zum Rettungswagen gebracht.

Durch die Höhenretter wurden Seilsicherungen zwischen zwei benachbarten Bäumen angebracht. Danach konnte die Pilotin die ihr zugereichten Sicherungsseile am Gurtgeschirr des Fallschirmes be­festigen. Diese Sicherungsleinen wurden mit dem Seil zwischen den beiden Festpunkten an den Nachbarbäumen verbunden.

Während der Vorbereitungen wurde die Pilotin vom Notarzt per­manent angesprochen. Sie verhielt sich während der gesamt Rettungsaktion sehr gefasst und ruhig. Die laufenden Rettungsmaßnahmen der Einsatzkräfte wurden ihr während der ganzen Zeit erklärt. Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, musste sie den Gurt, der sie im Flugzeug hielt, lösen und sich den Sicherungsseilen anvertrauen. Drei Stunden nach dem Absturz  löste sie den Gurt und wurde von den Si­cherungsseilen aufgefangen.

Kopfüber in der Baumkrone

Sichere „Landung“ - die Pilotin hängt sicher in den Seilen und wird zur Erde gelassen.

Sie wurde zur Untersuchung ins Kranken­haus gebracht.

Danach musste noch das Flugzeug gesichert oder geborgen werden. In Absprache mit den verantwortlichen Vertretern des Luft­sportvereins wurde beschlossen, das ca. 260 kg schwere Flugzeug an den Boden zu bringen. Der tragende Baum wurde angesägt und aus sicherer Entfernung mit einem Seilzug gefällt. Das Flugzeug fiel mit der Spitze voraus durch die Äste der anderen Bäume und kippte erheblich beschädigt auf den Boden.


Ansprechpartner:

Walter Schnüll, Gemeindebrandmeister Coppenbrügge

Referenzen:

weitere Dokumente:

erstellt von wpraeger am - 02.02.2009 12:03