Schiffskollision auf dem Rhein
Bericht
Im November 2001 stießen im dichten Nebel im Bereich der Altstadt der Stadt Köln auf dem Rhein ein Motortransportschiff und ein Schubverband frontal zusammen. Die sehr eingeschränkte Sicht und die besondere Lage des Einsatzortes führte zu einer Einsatzmaßnahme, die die Besatzung des Löschbootes kurzzeitig in Lebensgefahr brachte. Dieses bewusst durchgeführte Manöver bedeutete aber gleichzeitig die Abwendung der Gefahr für Leib und Leben der am Unfall Beteiligten.
Der Rhein und Köln
Der Rhein hat für die Stadt Köln seit ihrer Gründung eine wirtschaftlich hohe Bedeutung. Heute durchfließt der Rhein auf einer Länge von 41 km das Stadtgebiet. Der Rhein hat eine durchschnittliche Breite von rund 300 m. Dazu kommen sechs öffentliche Rheinhäfen.
Jährlich passieren rund 75.000 Transportschiffe die Stadt, die 170 Millionen Tonnen Güter befördern. Der Anteil der Gefahrgüter beträgt dabei 25 %.
Auf dem Rhein fahren auch zahlreiche Sport- und Fahrgastschiffe, darunter eine ganze Reihe großer Kabinen- bzw. Hotelschiffe.
Die Feuerwehr Köln auf dem Rhein
Bereits im Jahr 1902 wurde eine „Hafenfeuerwehr“ im Rheinauhafen eingerichtet. Die Hafenfeuerwehr wurde im Laufe der Jahre immer wieder ausgebaut, neue Boote und Geräte in Dienst gestellt. Im Jahr 1963 wurde das große Löschboot „Hydra“ beschafft, das sich noch heute im Dienst befindet. Seit 1979 gehört ein Rettungsschnellboot aus Aluminium zum Bestand. Die Feuerwehr Köln besitzt weiterhin das 1984 in Dienst gestellte Löschboot „Branddirektor Hans“. Im Jahr 1994 bezog die Besatzung eine moderne Löschbootstation am Deutzer Hafen, Die eine Nebenstelle der Feuer- und Rettungswache 2 in der Südstadt ist.
Die Station ist immer mit vier Feuerwehrmännern besetzt. Bei Einsatz rücken Kräfte der Feuerwache 2 nach.
Am Einsatztag befand sich das Löschboot „Branddirektor Hans“ in der Werft und somit außer Dienst.
Die Einsatzlage
Am 10. November 2001 herrschte auf dem Rhein und am unmittelbaren Rheinufer eine dichte Nebellage mit einer Sichtweite von maximal 15 m.
Im Bereich der Altstadt befindet sich im rechtsrheinischen Stadtgebiet die sogenannte „Deutzer Platte“. Die sich dort durch die Strömungsverhältnisse ablagernden Geröllansammlungen werden etwa alle zwei Jahre ausgebaggert, um die Fahrtiefe zu gewährleisten. Am Unfalltag war der Bereich auf rund 1500 m Länge wegen Baggerarbeiten gesperrt, der Schifffahrt standen noch 80 m Fahrwasserstraße zur Verfügung. Zudem lagen mehrere Fahrgastschiffe an ihren Liegeplätzen. Der Berufsschifffahrt sind solche Engpässe bekannt, sie werden über Rheinfunk in zeitlichen Abständen mitgeteilt. An Engpässen treffen die Schiffsführer Absprachen, wie die Begegnung abzulaufen hat. Der Bergfahrer ist dabei weisungsbefugt.
Am Morgen des Unfalltages waren aus bisher ungeklärter Ursache gegen 8.40 Uhr zwei Schiffe in Höhe des Rheinkilometers 688 frontal, das heißt Bug auf Bug, zusammengestoßen.
Am Unfall beteiligt waren zuerst das Motortransportschiff (MS) „Palomino“ und der Schubverband (SV) „Dürnstein“. Das MS „Palomino“ war in Talfahrt unterwegs. Es hat eine Länge von 95 m, die Breite beträgt 9,5 m. Der SV „Dürnstein“ hatte eine Länge von 160 m und eine Breite von 11 m. Später am Unfall beteiligt waren das Fahrgastschiff „Britannia“ mit einer Länge von 110 m und einer Breite von 11,60 m. Das Feuerlöschboot „Hydra“ ist 34 m lang und 6,30 m breit. Es war zur Bewältigung des zu erwartenden Schadensereignisses mit 10 Personen besetzt.
Um 8.39 Uhr meldete ein Angler, der Leitstelle der Feuerwehr Köln, dass er vom Rhein einen lauten Knall wahrgenommen habe. Aufgrund des starken Nebels können er aber nicht sagen, was geschehen sei. Der Disponent eröffnete einen Einsatz mit dem Einsatzstichwort „Schiff 1“.
Daraufhin rückten der Löschzug 1 (mit Tauchergruppe) und der Einsatzführungsdienst zum Rheinufer aus und der Löschzug 2 zur Löschbootstation. Die Kräfte verließen ihre Wachen bei Sonnenschein und wurden in Rheinnähe vom dichten Nebel überrascht. Der ebenfalls alarmierte Rettungshubschrauber musste den Einsatz auf Grund der Witterung über dem Rhein abbrechen. Das Löschboot „Hydra“ rückte erst nach Eintreffen des Löschzuges 2 mit weiteren Kräften aus. Dadurch konnten auf dem Löschboot 10 Personen mitgenommen werden, da in Anbetracht der Fahrt unter Radarbedingungen und dem zu erwartenden Schadenereignis eine Verstärkung notwendig war. Das Rettungsboot mit drei Mann Besatzung folgte dem Löschboot in Sichtweite.
Über die Polizei wurden die Besatzungen der am Ufer liegenden Schiffe über eine mögliche Gefährdung informiert. Weiterhin wurde der Rhein gesperrt. Auf dem Radarbild und nach Kommunikation mit der Wasserschutzpolizei und den Havaristen erfolgte eine erste Lagemeldung vom Löschboot. Beide Havaristen lagen bei Rheinkilometer 688 nebeneinander, weil das MS „Palomino“ nach der Kollision beigedreht hatte. Das Löschboot näherte sich langsam den Schiffen. Der Schubverband lag zu Berg vor Anker, an seiner Steuerbordseite hatte das Motorschiff mit erheblichen Schäden im Bugbereich festgemacht. Das Löschboot legte daher möglichst weit vorn im Bereich des vermuteten Ersteinsatzbereiches an.
Nach ersten Schadenserkundungen ergaben, dass das Vorschiff des MS mit Wasser vollgelaufen war. Es wurde sofort eine Tauchpumpe eingesetzt und weitere vorbereitet. Vorsichtshalber wurden die Feuerwehren in Bonn und Düsseldorf, beide besitzen Löschboot, über den Einsatz informiert. Sie wurden gebeten, ihre Löschboote nach Köln in Marsch zu setzen.
Während der Vorbereitung der nächsten Einsatzschritte (Übersetzen des Einsatzleiters mit dem Rettungsboot, Entlassung des Löschzuges 1) stellte der Führer des Löschbootes auf dem Radarbild fest, dass sich sein Schiff und das Motorschiff vom Schubverband gelöst hatten und sich langsam zu Tal von diesem entfernten. Die provisorischen Leinenverbindungen waren gerissen. Auch der Schiffsführer des Motorschiffes hatte die Lageveränderung bemerkt. Er startete seine Maschinen und versuchte beide Schiffe wieder an den Schubverband heranzuführen. Beim kurzen Abdriften geriet seine Schiffsschraube in die Kette kurz hinter ihm ankernden Wahrschauers (Plattform mit Signalen für die Schifffahrt). Schlagartig wurde die Schiffsschraube blockiert. Beide Schiffe trieben auf einen Brückenpfeiler zu. Die Einsatzführung wurde über die Lage informiert. Der Einsatzleiter erwog die Sperrung der Hohenzollernbrücke, einer viel befahrenen Eisenbahnbrücke. Die Sperrung war in der Kürze der Zeit nicht durchführbar.
Die Maschinen des Löschbootes waren nicht in der Lage, beide Schiffe zu stabilisieren. Nur allmählich drehten sich die Schiffe gegen die Strömung zu Berg, aber beide Schiffe trieben langsam weiter zu Tal auf den Brückenpfeiler zu. Aus diesem Grund entschloss sich der Löschbootführer, den nächstgelegenen Stilllieger (das Fahrgastschiff „Britania“) zu erreichen. Dies teilte er dem Einsatzleiter mit. Er bat darum, die Besatzung der „Britania“ zu informieren und weitere Einsatzkräfte auf das Fahrgastschiff zu bringen, die beim Anlegen und Festmachen helfen sollten. Hierfür wurden die Kräfte des Löschzuges 1 eingesetzt.
Um 9.19 Uhr erfolgte der Zusammenstoß mit dem Fahrgastschiff. Dabei wurde das Löschboot erheblich beschädigt.
Danach begann die eigentliche Hilfeleistung am Havaristen. Nach genauer Untersuchung wurde festgestellt, dass das Motorschiff nicht Leck geschlagen war. Um 10.45 Uhr konnten die Pumparbeiten eingestellt werden. Durch den Aufprall war ein Bordladekran auf einen an Deck abgestellten PKW gestürzt, was zu einen Totalschaden führte. Die Pumparbeiten an Bord der SV „Dürnstein“ wurden fortgesetzt.
Nach der Stabilisierung der Lage, versuchte der Einsatzleiter, eine gemeinsame Einsatzleitung zu bilden. Um 13.00 Uhr fand die gemeinsame Lagebesprechung statt, die folgende Ergebnisse brachte:
- Zuständige Ordnungsbehörde ist das Wasser- und Schifffahrtsamt.
- Maßnahmenschwerpunkt ist die Beseitigung des SV „Dürnstein“.
- Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes trennen das MS „Palomino“ und das Wahrschaufloß voneinander.
- Das Löschboot kehrt zur Station zurück. Es muss am nächsten Werktag zur Untersuchung in die Werft.
Fazit
Dieser Einsatz zeigte, dass nur die Berufsfeuerwehr in der Lage war, unverzüglich in Minutenfrist mit starken Kräften vor Ort zu sein. Alle anderen Behörden hatten lange Vorlaufzeiten oder waren mit zu schwachen Kräften an der Einsatzstelle.



